Fachtagung - Wohnen im WandelAm Donnerstag, dem 19.04.2018 fand unter der Leitung der kommunalen Wohnungsunternehmen des Ruhrgebiets (WIR – Wohnen im Revier e.V.) die Fachtagung "WIR-Forum" im Hammer Heinrich-Kleist-Forum statt. Unter dem Titel "Wohnen im Wandel – Qualität für den Wohnungsmarkt Ruhr" konnte ein Austausch mit mehr als 60 Teilnehmer/innen aus der Region organisiert werden. Gemeinsam mit dem Verbandsdirektor VdW Rheinland Westfalen Alexander Rychter, dem Hochschulprofessor Prof. Dr. Rolf. G. Heinze sowie Vertretern der Wohnungswirtschaft, Kommunen und Politik wurden die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven des Wohnungsmarktes Ruhr erörtert.

"Kooperation und Zusammenarbeit symbolisieren WIR – Wohnen im Revier und sind wichtige Elemente für die Perspektive des Wohnungsmarktes Ruhr" – mit diesen Worten eröffnete Norbert Riffel, Sprecher des Vorstands von WIR – Wohnen im Revier e.V. und hauptamtlicher Sprecher der Geschäftsführung der Bochumer VBW BAUEN UND WOHNEN GMBH, das diesjährige WIR-Forum.

Kommunale Wohnungsunternehmen leisten einen großen Beitrag für die Stadt- und Quartiersentwicklung, führte Dennis Kocker, Aufsichtsratsvorsitzender der Hammer Gemeinnützigen Baugesellschaft, in der Begrüßung aus. Die Mischung aus öffentlich gefördertem Wohnraum und freifinanzierten Wohnraum sei von großer Bedeutung für die Entwicklung der Wohnungswirtschaft und dafür stände auch WIR – Wohnen im Revier.

In einem Grußwort betonte Alexander Rychter, dass die Wohnungsmärkte und die dazugehörige Förderlandschaft in Bewegung seien und sich wandeln. Die Nachfrage nach Wohnungen steige in allen Segmenten gleichermaßen an, wobei die Bezahlbarkeit von Wohnraum gewährleistet werden müsse. Diese wiederum ist mit unterschiedlichen Herausforderungen verbunden, wozu Fragen des Strukturwandels und Klimaschutzes, des demographischen Wandels, der Integration und Alterung gehören.

Die Herausforderungen führte Prof. Dr. Rolf G. Heinze nach seiner Auffassung aus. Dennoch lohne es sich in die Quartiersentwicklung zu investieren. Ein Potenzial bestehe vor allem in der sozialen Perspektive, beispielsweise in Form von nachbarschaftlichem Engagement. Dr. Torsten Bölting, Geschäftsführer der InWIS Forschung und Beratung GmbH, stellte danach die Ergebnisse der von WIR beauftragten Haushaltsbefragung vor. Kern der Untersuchung war die Analyse von Wohnanforderungen nach Zielgruppen, die Zufriedenheit mit dem entsprechenden Wohnungsunternehmen und die Zukunftswünsche der Bewohner. Die Ergebnisse zeigen, dass Bewohner des Ruhrgebiets mit ihrer Wohnsituation und dem Wohnumfeld zufrieden sind. Besonders die Mieter der WIR-Unternehmen bewerten ihren Vermieter und ihre Mietwohnung überdurchschnittlich gut. Es sind vor allem Themen wie Barrierefreiheit, Ausstattungsmerkmale der Wohnung und E-Mobilität, die die Bewohner im Ruhrgebiet bewegen.

In einer Diskussionsrunde brachte Dr. Marco Boksteen, Geschäftsführer der Hagener ha.ge.we, die Referenten ins Gespräch. Er fragte konkret nach, welche Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt im Ruhrgebiet bestehen. Dr. Sonja Borchard, Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW, stellte heraus, dass es wichtig sei, sich mit den Trends auseinander zu setzen. Lokale Allianzen und Digitalisierung seien wichtige Treiber, erklärte auch Prof. Rolf G. Heinze. Ergänzend dazu berichtet Dr. Torsten Bölting, dass auch Elektromobilität an Bedeutung gewinne, diese jedoch stark von der entsprechenden Zielgruppe abhänge.

Wie die Wohnzukunft von morgen im Ruhrgebiet aussehen kann, wurde in einer anschließenden Diskussionsrunde mit Thomas Jörrißen, Geschäftsführer der Hammer Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft, Heinz-Martin Muhle, Stadtplanungsamt Hamm und Matthias Fischer, Geschäftsführer der Unnaer Kreis- Bau- und Siedlungsgesellschaft mbH, diskutiert. Auch in Zukunft seien vor allem die Digitalisierung und E-Mobilität wichtige Handlungstreiber. So stellten Thomas Jörrißen und Matthias Fischer heraus, dass im Neubau bereits diese Themen berücksichtigt würden und für die Zunahme von E-Mobilität und Glasfasernetzwerke ausgelegt seien. Als Herausforderung betonte Heinz-Martin Muhle die Unsicherheit der Bevölkerungsprognose. Dennoch sei eine frühe Bürgerbeteiligung für die Akzeptanz von Maßnahmen von großer Bedeutung.

Daran anknüpfend berichtete Thomas Jörrißen über das 100-jährige Jubiläum der Hammer Gemeinnützigen Baugesellschaft mbH. Dazu stellte er vier aktuelle Leuchtturmprojekte vor: Die zentrale Unterbringungseinrichtung von Flüchtlingen, das Service-Wohnen an den Goethegärten, Wohnen am Stadttor Ost sowie das Projekt Wilhelmstraße. Die Projekte seien durch einen hohen Anteil öffentlich geförderter Wohneinheiten geprägt und leisten einen großen Beitrag zur Bezahlbarkeit von Wohnraum. Ein weiteres besonderes Projekt sei die Errichtung von Mieteinfamilienhäuser, die ein sehr hohes Maß an Barrierefreiheit bieten.

Auch die Wohnzukunft in ländlichen Regionen wurde im Rahmen der Veranstaltung von Matthias Fischer thematisiert. Dazu berichtete er über das Projekt "Neue Mitte Ardey" aus der Stadt Fröndenberg/Ruhr. Durch die Errichtung eines Nahversorgungszentrums sei ein Treffpunkt für alle Generationen und unterschiedliche Zielgruppen geschaffen worden.

Die Podiumsdiskussion und die anschließenden Gespräche im Heinrich-Kleist-Forum zeigten wieder, dass die Organisatoren den Nerv der Besucher getroffen haben.

Das WIR-Forum ist eine Veranstaltungsreihe, bei der die kommunalen Wohnungsunternehmen mit anderen Akteuren aus der Region das Gespräch zu aktuellen Themen und Herausforderungen in der Region suchen. Über das Forum und weitere Veranstaltungen informiert der Verein WIR – Wohnen im Revier auf seiner Homepage www.wir-wohnenimrevier.de.

Mit rund 94.000 Wohnungen repräsentieren die vierzehn WIR-Unternehmen eine der größten Anbietergruppen von professionell bewirtschafteten Wohnungen im Ruhrgebiet. Mit dem Ziel der Unternehmen, langfristig zur Entwicklung der Qualitäten des Lebensraums Ruhr beizutragen, stellen sich die WIR-Unternehmen den Herausforderungen im Wohnungsbau und engagieren sich zudem bei der Errichtung von Infrastruktureinrichtungen.